Ibn Rushd Preis 2012 geht an die syrische Anwältin Razan Zaitouneh

Seit 1998 verleiht der Ibn Rushd Fund seinen Preis an Persönlichkeiten, die mit ihrem Denken Veränderungen anstießen, und die die Folgen in Form von Haft und Gewalt nur zu oft persönlich tragen mussten. Der Preis 2012 war ausgeschrieben für „eine junge Aktivistin/ einen jungen Aktivisten des Arabischen Frühlings, die/ der auf friedliche Weise für den demokratischen Zivilstaat kämpft.“

Die 35jährige Anwältin und Menschenrechtsaktivistin Razan Zaitouneh engagiert sich seit 2001 für die Rechte politischer Gefangener und war Mitbegründerin einer Gesellschaft für Menschenrechte in Syrien. Seit 2005 berichtet sie auf ihrer Internet-Plattform vdc-sy.org über Menschenrechtsverletzungen im Land, zudem veröffentlichte sie zahlreiche Artikel und Reportagen in verschiedensten Medien. Mit Beginn der Revolution musste sie aufgrund ihrer Aktivitäten untertauchen: ihr Haus in Damaskus wurde gestürmt, persönliche Dokumente entwendet und ihr Mann und sein Bruder für drei Monate in Einzelhaft genommen.

Syrien leidet seit Jahrzehnten unter einem totalitären Herrschaftssystem, das Freiheit negiert, jeden kleinsten Versuch, eine zivile Gesellschaft aufzubauen, im Ansatz erstickte. Es ist schwer, sich für Freiheit einzusetzen, wenn absoluter Freiheitsentzug nur als geringste der schwerwiegenden persönlichen Konsequenzen droht. Dennoch rufen junge Syrerinnen und Syrer seit nunmehr 18 Monaten aktiv und öffentlich zu politischen Reformen auf.

Die Preisträgerin erhielt bereits den Anna Politkowskaja Preis für die Verteidigung der Menschenrechte sowie den vom europäischen Parlament verliehenen Sacharow Preis. Razan Zaitouneh ist mit ihrem Engagement für die Menschenrechte und ihrem gewaltlosen Widerstand nicht nur ein Beispiel für die junge Generation, die persönliche Freiheit, Sicherheit und Leben für eine gesellschaftliche Veränderung riskiert, sie ist auch beispielhaft für die Frauen in den arabischen Revolutionen, die – besonders in Syrien – oft an vorderster Front gegen das Regime kämpfen, von westlichen Medien zu Unrecht ignoriert.

Razan Zaitouneh wurde unter einer großen Zahl von Nominierungen aus zahlreichen arabischen Ländern von einer unabhängigen Jury ausgewählt. Die Jury 2012 bestand aus Taoufik Ben Brik, freier Journalist und Autor aus Tunesien. Er gilt als einer der bekanntesten Kritiker des ehemaligen tunesischen Präsidenten Ben Ali. Seit Januar 2011 leitet er die satirische Wochenzeitung „Contre le pouvoir“ (Dhir Essolta). ; Aref Hijjawi, Autor, Journalist, Radio- und TV-Redakteur in Palästina. Er war u.a. Programmdirektor der BBC in London und bei al-Jazeera TV Channel sowie Leiter des Media-Instituts an der Universität Bir Zeit; Gisele Khoury, Journalistin aus dem Libanon. Sie war Leiterin libanesischer und arabischer politischer Talkshows für LBCI, sowie Programmleiterin und Moderatorin beim Nachrichtensender al-Arabiya. Seit 2005 ist sie Gründerin und Präsidentin der „Samir Kassir Foundation“; Miral al-Tahawy, Sprach- und Literaturwissenschaftlerin aus Ägypten. Sie war Gastdozentin an der Universität in Kairo, sowie an verschiedenen US-amerikanischen Universitäten. Derzeit ist sie Assistant Professor an der Arizona State University; und Samar Yazbek, Journalistin und Autorin zahlreicher Romane, Kurzgeschichten und Drehbüchern. Sie lebt in Syrien und Frankreich und gilt als die wichtigste Advokatin für Menschen- und Frauenrechte in Syrien.

Webseite des Ibn Rushd Fund: www.ibn-rushd.org

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About malik berkati

Rédacteur en chef j:mag

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