Weltweite Lesung für Ashraf Fayadh als Unterstützung für den in Saudi-Arabien zum Tode verurteilten palästinensischen Dichter

Das internationale literaturfestival berlin (ilb) ruft alle Menschen, Institutionen, Schulen und Medien, denen Freiheit und Bürgerrechte wichtig sind, dazu auf, am 14. Januar 2016 als Unterstützung für Ashraf Fayadh an einer weltweiten Lesung von Gedichten und Texten teilzunehmen. Wir veröffentlichen den Aufruf des Literaturfestivals.
Here die Liste der Teilnehmern in Berlin, in Deutschland und weltweit.

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Zum Tode verurteilt

Ashraf Fayadh, ein 35-jähriger, in Saudi-Arabien als palästinensischer Flüchtling geborener Dichter und Kurator, der in Saudi-Arabien lebt, ist von einem saudischen Gericht am 17. November 2015 für die „Straftat” des Abfalls vom Glauben zum Tode verurteilt worden. Während der Haft und der Gerichtsverhandlung wurde ihm anwaltlicher Beistand verwehrt.
Fayadh ist eine Schlüsselfigur in der Vermittlung zeitgenössischer Kunst aus Saudi- Arabien für ein weltweites Publikum. Chris Dercon, der Direktor der Tate Modern und ein Freund des Dichters, hat ihn als jemand beschrieben, der „freimütig und mutig“ ist.
Zusätzlich zur Verleugnung des Islams wird Fayadh auch der Blasphemie und der Förderung des Atheismus in seiner 2008 veröffentlichten Gedichtsammlung Anweisungen von Innen angeklagt. Fayadh hat dagegen versichert, dass die Gedichte „allein von mir als Flüchtling aus Palästina handeln … über kulturelle und philosophische Probleme. Aber religiöse Extremisten haben es als zerstörerische Ideen gegen Gott gewertet.”
Die Vorwürfe, zusammen mit der Abwesenheit eines den Rechtsnormen verpflichteten Prozesses, zeigen, dass es nicht Fayadh ist, der schuldig ist, sondern eher Saudi-Arabien, das sich erneut schuldig macht, indem es Menschenrechte und Rechtsgrundsätze missachtet. In den Ranglisten von Nichtregierungsorganasisationen landet das Königreich regelmäßig auf einem der letzten Plätze, wenn es um Freiheit und Demokratie geht. Gemäß Human Rights Watch kriminalisieren Saudi-Arabiens immer repressivere Gesetze die freie Meinungsäußerung und geben den Behörden übermäßige Polizeimacht. Von richterlicher Kontrolle keine Spur.

Ashraf Fayadhs Fall als Symbol

In Ashraf Fayadhs Fall geht es nicht allein um seine Geschichte – sie steht vielmehr symbolisch für alle Opfer eines von Grund auf repressiven Regimes, das von westlichen Regierungen unterstützt wird. Regierungen, die ständig die Werte der Freiheit und Demokratie als leuchtendes Banner vor sich her tragen. Derzeit ist Saudi-Arabien sogar Mitglied im UN-Menschenrechtsrat, einer Organisation, die perse die allerhöchsten Standards der zivilen Freiheiten repräsentiert. Saudi-Arabien sitzt in diesem Gremium seit 2013, da es heimlich mit Großbritannien einen Stimmen-Deal verabredet hatte, wie Wikileaks enthüllt hat. Andere westliche Staaten verkaufen an Riad für viel Geld Waffen und applaudieren bei allen möglichen Gelegenheiten den Saudis öffentlich, damit bloß weiterhin das Öl fließt. In dieser Zwickmühle sitzen Menschen wie Ashraf Fayadh ohnmächtig fest. Männer und Frauen, deren Rechte sowohl im Königreich als auch außerhalb der Landesgrenzen unbeachtet bleiben.
Während der zu Recht vor Kurzem von westlichen Politikern geäußerten Abscheu über die Verbrechen der IS-Terroristen – es wurde mit Krieg und Vergeltung gedroht –, ist kaum ein Wort über Saudi-Arabiens unrühmliche Rolle bei der Verbreitung der gewalttätigen Variante des Islam, die eben der selbst ernannte Islamische Staat praktiziert, gefallen. Dabei gibt es keinerlei Zweifel, dass sich die Ideologien von Saudis und Islamisten ähneln: Beide heißen Auspeitschungen und Hinrichtungen von denjenigen gut, die nicht zu hundert Prozent ihrer Ansicht sind (wobei Saudi-Arabien im letzten Jahr sogar mehr Menschen hingerichtet hat als der IS).
Mit dieser weltweiten Lesung fordern wir Großbritannien und die Vereinigten Staaten auf, sich für Ashraf Fayadh einzusetzen und so, in einem ersten Schritt, dafür zu sorgen, dass Saudi-Arabien die Menschenrechtsstandards endlich anhebt. Außerdem fordern wir, dass die Vereinten Nationen Saudi-Arabien aus dem UNMenschenrechtsrat ausschließen, bis das Königreich seine entsetzliche Menschenrechtsbilanz verbessert hat und Freiheit und Bürgerrechte anerkennt. Zusätzlich appellieren wir an alle westlichen Regierungen, besonders die britische und amerikanische, ihre Position zu überdenken, freundschaftliche, unkritische Beziehungen zu einem Land zu unterhalten, das systematisch Menschenrechtsverletzungen begeht.

 

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Ibn Rush Fund

Im Rahmen des vom Internationalen Literaturfestival Berlin organisierten Worldwide Reading for Ashraf Fayadh organisiert der Ibn Rushd Fund auch eine Lesung in Kooperation mit der Léttrage Berlin.

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Mitwirkende: Nihad Siris,  Faten El Dabbas und Leila El-Amaire von i,slam,  Mitglieder der Deutschen Jugend für Palästina,  Schülerinnen und Schüler der Bertha von Suttner-Oberschule,  sowie Hamid Fadlalla und Cora Josting vom Ibn Rushd Fund.
Beiträge in arabischer, deutscher und englischer Sprache. Musikalische Umrahmung mit Trommel.

Worldwide Reading for Ashraf Fayadh am 14.1.2016, 20 Uhr in der Lettrétage, Mehringdamm 61, 10961 Berlin
Der Eintritt ist frei, Spenden gerne gesehen.

© j:mag Tous droits réservés

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About malik berkati

Rédacteur en chef j:mag

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